Um das Gute kämpfen?

Relativ viel Zeit ist seit meinem letzten kritischen Beitrag vergangen. Im Dezember letzten Jahres habe ich für mich entschieden, daß ich mich nicht mehr mit Themen der Politik oder Wirtschaft beschäftige. Daran wird sich vorerst auch nichts ändern. Vielmehr habe ich kürzlich ein sehr interessantes Buch gelesen, welches diese Fragestellung aus christlicher Sicht anschneidet. Dieses Buch hat mich in meiner Haltung nur noch gestärkt. Allerdings gibt es da Fragen, welche außerhalb der o.g. Bereiche liegen und besondere Zuwendung verdienen. Sozialer Bereich zum Beispiel.

Wenn wir uns mit sozialen Fragen beschäftigen, so gibt es immer wieder Gründe die uns emotional bewegen. Wie zuletzt auch bei mir …
Eine Bibliothek. Jedem, der hinein geht ist auch sofort klar, daß es eine Bibliothek ist. Einer nach dem Anderen gehen Menschen hinein und reden so laut, als wären sie auf einem Basar. Es ist auch nicht so, daß es sich um Menschen in sehr hohem Alter handelt, die ihre Stimme nicht mehr kontrollieren und schlecht hören können. Junge bis mittelaltrige Menschen, denen eigentlich klar sein sollte, wie man sich in einer Bibliothek verhält. So klar ist es aber ganz offensichtlich nicht!!! Wie kommt das?

Ich bin inzwischen fest überzeugt, daß der überwiegende Teil der Menschen, die diese offensichtlichen Dinge nicht kennen oder nicht begreifen in ihrem Leben nie bzw. kaum mit Regeln der zwischenmenschlichen Beziehungen, der Etikette konfrontiert waren. Sicherlich gibt es Menschen, die inzwischen aus Überzeugung den Rebell spielen und glauben gegen alle Regeln verstoßen zu müssen, weil sie veraltet wären. Diesen ist nur noch schwer zu helfen. Wie sieht es aber mit allen anderen aus? Was ist mit Menschen, die einfach nicht daran denken, daß um sie herum anderen Menschen sind, an die sie denken sollen? Menschen, die sich als beinahe heilige Christen benehmen sind nicht in der Lage die Musik in den eigenen 4 Wänden leise zu halten, weil die Wände so dünn sind und der Nachbar quasi jedes Wort hören kann. Es geht um Selbstachtung und Achtung vor dem Gegenüber.

Ich möchte hierbei den politischen gewollten Debilismus nicht anschneiden (s.o.). Es gibt allerdings Bereiche in der Erziehung (auch Selbsterziehung ist hier mit gemeint), die eine besondere Aufmerksamkeit verdienen, wo es sich lohnt gegen die allgemeine Verblödung zu kämpfen! Ich habe gelesen, daß es Gebiete in den USA gibt, wo die Allgemeinheit akzeptiert, daß die Zahl π = 4 ist. Selbst in wissenschaftlichen Büchern (von dem Müll im TV ganz zu schweigen) kommt gern der Satz vor: „wissenschaftlicher Konsens“. Wie kommen Menschen dazu, daß per Abstimmung andere Meinungen in der Wissenschaft automatisch die falschen sind? Es ist WISSENSCHAFT und kein Meinungsforum! Die Bandbreite dessen, wo Menschen einfach an etwas Bestimmtes glauben und sich gar weigern Abweichendes zu akzeptieren mit der Allgemeinheit im Rücken ist auch sehr groß. „Ich habe es schon immer so gemacht, und hatte nie Probleme damit“. „Alle anderen machen es doch auch so“. Erwachsene Menschen rechtfertigen sich so! Wann wollen denn solche Menschen wirklich erwachsen werden? „Wenn alle vom Dach springen würden“ … würden diese Menschen irgendwann / letztlich hinterherspringen … von wegen „gesunder Menschenverstand“.
Mit diesem Hintergrund dürfen weder Eltern noch diejenigen, die sich selbst erziehen wollen nichts dem Zufall überlassen. Man darf nicht darauf vertrauen, daß Kinder in der Schule schon das Richtige lernen. Man darf nicht darauf vertrauen, daß meine Freunde, meine Familie schon weiß was richtig und was falsch ist. Menschen, denen dies nicht egal ist, müssen selbst PROAKTIV werden. Nicht die Reaktion auf ein Geschehen ist gefragt. Erforderlich ist es selbst proaktiv zu sein! Wie benehme ich mich wo. Welches Verhalten ist wem gegenüber korrekt. Kinder sind sehr wohl in der Lage mit 3 Jahren „Hallo“, „Auf Wiedersehn“, „Danke“, „Bitte“, „Entschuldige“ und vieles mehr zu lernen! Allein dies ist manchmal mehr, als einige Erwachsene beherrschen. Diese, proaktive, vorausgreifende und gegenüber dem Allgemeinen auflehnende Erziehung sollte angestrebt werden (Ich rede nicht von Rebellion. Stichwort: Politik u. Wirtschaft – s.o.). Kinder werden in der Schule nicht lernen was Selbstachtung und Achtung vor dem Gegenüber bedeuten. Kinder werden in der Schule nicht lernen was es bedeutet dem Gegenüber Achtung entgegen zu bringen und seine Meinung dennoch missbilligen können. Kinder werden es nicht in der Schule und nicht von der Allgemeinheit lernen was es bedeutet um seiner selbst willen, aus der Selbstachtung heraus, sich selbst zurück zu nehmen. Kinder werden es nicht automatisch lernen MENSCHEN zu werden. Hierfür ist viel Einsatz, viele Gespräche, viel Mühe seitens der Eltern erforderlich. Sich als Erwachsenen zu erziehen ist gar noch mühsamer. Letztendlich lohnt es sich. Es lohnt sich um das Gute zu kämpfen!

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