Mitreden wollen …

Mit etwa 16 stellte ich auf dem Schulhof fest, daß es mir unangenehm ist an dem alltäglichem Austausch meiner Schulkameraden nicht partizipieren zu können. Beinahe als kränkend empfand ich die Ohnmacht, daß ich hier und da wie dumm da stand und nichts zu sagen hatte.
Mit etwa 21-22 war es so weit: ich habe bei den meisten Themen mitreden können, und ließ keine Gelegenheit aus um bei Diskutieren mitzumischen. Endlich war ich einer wie alle! Endlich war ich kein Sonderling.

Heute überschlagen sich die Nachrichten, nachdem gestern Griechenland gegen die Forderungen der Kreditgeber abgestimmt haben. Das Internet ist aber schon so schnell … Karikaturisten stellen in wenigen Stunden was zusammen. Und kaum ist die Welt erwacht, werden sie in den Soz-Medien fleißig geteilt und kommentiert. Menschen wollen wie alle sein. Menschen wollen eben mitmischen und mitreden können.

Ich bin bald weitere 20 Jahre älter, und stelle fest, daß ich wieder ein Sonderling bin. Bin ich der Einzige, der 95% aller Kommentare als den besten Beweis für mangelnde Bildung und allgemeine Dummheit der Menschen wahrnimmt?

  • „ach die bösen Griechen …“
  • „ach die anstandslosen Griechen … „

… und wenn dann irgendein hinterhältiger oder geistig behinderter Politiker / Prominenter davon spricht, daß die griechische Regierung ihr Volk betrogen hätte, um das passende Ergebnis beim Referendum zu bekommen … dann springt das hysterische, „mündige“ Volk auf den Zug auf, und pöbelt mit!

Ich frage mich dann: soll ich den Politiker / Prominenten hassen, oder das „mündige“ Volk bemitleiden?
Und dann beruhige ich mich damit:
Dummheit ist eine Allgemeinerscheinung – eine schon immer da gewesene Krankheit – ein unauslöschlicher Virus, den sich die wahren Machthaber gern bedienen.

NACHTRAG 1
besonders schön zu beobachten in diesen Zeiten: wer lauter schreit, scheint im Recht zu sein! Ein offenbar beliebter Promi hat in einem Soz-Netzwerk Contra bekommen, und schon wirft er mit Kraftausdrücken um sich. Ach wievielen doch die Birne im Kronleuchter durchgebrannt wäre. Da wird das Prinzip der Demokratie ein Stück sichtbarer: wer lauter schreit – weiß was richtig ist! Wenn die Sesselfurzer aus Berlin quasi im Unisono in sämtlichen Medien erzählen was wahr und richtig ist, und wie dämlich doch die Andersdenkenden sind … dieses Mal sind es wohl die Griechenversteher gemeint … dann sprechen sie ja stellvertretend für das Volk (wer weiß welchen Teil – für welche multi-milliardenschwere Minderheit)… Demokratie nennt man das. Und diesen Kapitalistenfanatikern kommt nicht ein Mal in den Sinn, daß sie sich längst als hohle Schwachköpfe und durchgebrannte Birnen gezeigt haben … da finde ich den Begriff von V. Pispers passend: Kapitalistennutten! … und zwar hohlköpfige … samt ihrer ebensolcher Anhänger, die nur das Nachplappern gelernt haben.

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